Der Säbelzahntiger

Säbelzahntiger

Künstler: Friedrich Möbius

Es gibt wenig Tiere, die die Fantasie so sehr anregen wie der ausgestorbene Säbelzahntiger. Wenn Kinder etwas über die Eiszeit lernen, dann beeindruckt sie nicht etwa das Mammut oder das Wollnashorn, nein, es ist der Säbelzahntiger. Und auch wenn wir von Panikanfällen und psychologischen Reaktionen bei Gefahr reden, dann taucht er auf, der Säbelzahntiger, vor dem wir wegrennen.

Ich vermute, der Nevenkitzel und die Faszination des Schreckens spielen schon für Kinder eine Rolle. Dieses Spiel führt weiter zu Thrillern und schließlich zu Horror. Das gepflegte Gruseln bei dem gleichzeitigen Gefühl, im heimischen Sessel vollkommen in Sicherheit zu sein – das muss seit jeher Menschen gefesselt haben. Ein wohliges Gefühl, vor dem Schrecken gefeit zu sein, jedenfalls meistens.

Ich bin beim Säbelzahntiger steckengeblieben. Das wohlige Gefühl, im  Heim beschützt zu sein, empfinde ich schon bei schlechtem Wetter. Horror gibt mir wenig, außer Albträumen. Ich kann sogar nach einem normalen Tatort schlecht schlafen – als Konsequenz habe ich keinen Fernseher mehr. Nachrichten lese ich lieber online, als mir frei Haus die schrecklichen Bilder aus den Redaktionen live liefern zu lassen.

Und trotzdem quäle auch ich meine Figuren. Andert hat wahrlich kein leichtes Leben, er wird verprügelt, verletzt, vergiftet, gefangen genommen und kommt oft genug gerade so mit dem Leben davon … aber ich glaube, das ist das übliche Schicksal von Fantasyhelden. Lina hat es übrigens kaum leichter, ich mache keinen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Helden, insbesondere, wenn beide Schwerter führen.

Ihr, meine lieben Leser, sollt ja schließlich Angst um meine Figuren haben. Und trotzdem werde ich vermutlich niemals Horror schreiben. Ich bin ein viel zu großer Angsthase dafür. Da bleibe ich lieber beim Säbelzahntiger. Oder einem Xal-Yar.

Über Hannah Steenbock

Hannah Steenbock is an author, dreamer, and coach. She has published several short stories in English and German, as well as one novel in German. In 2013 she started self-publishing her work. In 2014, she has won two awards for her short story "Sequoia".
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